Umweltpolitik und Demokratie

Gastbeitrag von Dr. Hans-Ulrich Hauschild

Umweltpolitik und Demokratie

Dem Leserbrief des Herrn Kaisers zur verschwiegenen Wahrheit bei den Grünen – Leserbrief vom 4.5. ( in der Gießener Allgemeinen) – ist zuzustimmen. Hier soll nur noch eine Ergänzung zum politischen Gehabe der Grünen und vergleichbarer Ideologen versucht werden.
Die Grünen kommen mir hier verdruckst vor. Offener damit geht Hans Jonas ( 1903-1993) um, der den Grünen sicherlich eine Art Vordenker war, noch ist oder doch wenigstens sein könnte. Der Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hat kurz vor seinem Tod dem „Spiegel“ genau zu jenen Fragen ein Interview gegeben, die uns heute noch mehr beschäftigten: Klimawandel, Zerstörung der Erde, Selbstzerstörung der Menschheit. Das Interview dreht sich um die Frage, ob angesichts dieser Gefahren die Demokratie das richtige Regierungssystem sei. Jonas kommt zu dem Schluss: eine Ökodiktatur, eine „Diktatur der Menschheitsretter‘ sei möglicherweise die einzig verbleibende Alternative.Aktuell ist das noch immer auf der Tagesordnung, allerdings findet Jonas keinen politischen Träger. Er findet lediglich eine Elite der Selbstlosen, die dem „Prinzip der Verantwortung’“ für die Zukunft von Menschen und Natur folgen. Dies aber sind unmöglich Parteipolitiker, auch nicht die Grünen.

Was hat das mit dem Thema zu tun? Die Grünen irren, wenn sie ihren Begriff von Demokratie mit Inhalten füllen. Der Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie ist nicht inhaltlich zu fassen, sondern nur formal : Im Regierungssystem, in der konkreten Herrschaftsausübung. Aber die Grünen scheuen sich offenbar, Farbe zu bekennen. Deshalb vernebeln sie den Demokratiebegriff. Wie man eben an Hans Jonas, einem der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, sieht, kann aus seiner Sicht das moralisch Erwünschte und – in diesem Fall das ökologisch Notwendige – nur mit diktatorischen Mitteln erreicht werden. Diktatur und böse? Demokratie und moralisch gut ? Das passt nicht unbedingt zusammen.
In seinem „Prinzip Verantwortung“ entwickelt Hans Jonas aus tiefster Humanität und unter Beachtung von unzerstörbaren ethischen Werten – bei ihm gibt es diese noch, bei der modernen jungen Generation wohl eher nicht – philosophisch jene Position, die entschlossen das Notwendige aus tiefer Verantwortung für die Zukunft unternimmt. Dies geht nur, wenn auf kurzfristige Vorteile verzichtet wird und dem Prinzip der Nutzenmaximierung entschieden entgegengetreten wird. Eine solche ethische Position sei, so Jonas, weder in der marxistischen Utopie noch in den westlichen Demokratien möglich. Eine „Diktatur des Guten“ ist demnach möglich und ethisch vertretbar. Aber bitte nicht die Grünen und nicht Greta.
Entweder bekennen sich die Grünen dazu und lassen ihr Gefasel von demokratischen Werten sein, oder sie akzeptieren jenen Begriff von Demokratie, der auch Andersdenkende atmen lässt. Freilich, die Menschheit ist gewarnt: Tugenddiktaturen endeten immer in blutigem Chaos und Vernichtung vieler Millionen Menschen. Das Entscheidende, politisch, theologisch und philosophisch begründbar nämlich, ist logisch und systematisch nach Jonas, den Umweltzerstörern und ihren Profiteuren nicht nur aus der Abteilung Kapitalismus zeitweise ihre alles vernichtende Willensfreiheit zu nehmen. Aber ihre eigene Wählerklientel wollen/werden sie sich nicht zum Gegner machen. Die von Hans Jonas aufgeworfene Frage jedoch ist zu beantworten: welchen politischen Preis sind wir bereit zu bezahlen , um die Zukunft der Menschheit zu sichern? Eben aber bei dieser Frage erweisen sich die Grünen als reine Ideologen und Betreiber einer Klientelpolitik, während Hans Jonas jener Wahrheit in das Auge blickt, von der Herr Kaisers gesprochen hat.

Dr. Hans-Ulrich Hauschild, Gießen

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