Was können wir aus dem Vietnamkrieg lernen

Der Vietnamkrieg war eins meiner prägenden Sozialisationsereignisse. Es gab Demonstrationen, die Zeitungen berichteten jeden Tag wie viele Vietnamesen und wie viele Amerikaner gefallen sind, meine Eltern waren pazifistisch und antiamerikanisch, aber ich muss leider zugeben, dass ich zum ersten Mal in den letzten Jahren in einer Weise über den Vietnamkrieg nachgedacht habe, die man zu recht Denken nennen kann.

Zu den Fakten: Die Amerikaner hatten eine Bündnis mit Südvietnam. Nordvietnam mit Hilfe der UdSSR und Chinas versuchte Südvietnam dem kommunistischen Teil der Welt einzuverleiben. Wie die Mehrheiten in Südvietnam waren, vermag ich nicht zu sagen, aber es waren sicherlich nicht wenige, die dies nicht wollten. Aber es gab auch nicht wenige, die lieber ein zum kommunistischen Block gehörendes Vietnam wollten. Amerika begann seinen Verbündeten zu helfen, wie es sich aus Bündnisverpflichtungen und aus machtpolitischen Gründen veranlasst sah. Zum Teil wurde ein Stellvertreterkrieg zwischen Ost und West daraus. Wie allen bekannt ist, wurde der Krieg immer verlustreicher, und am Ende zogen sich die Amerikaner unter den Druck der Weltöffentlichkeit zurück. Vietnam gehörte dem kommunistischen Block an, viele flohen als boatpeople.

Obwohl in meiner Umgebung an das Thema hunderte von Malen angesprochen wurde, wurde meines Erachtens kein einziges Mal das Dilemma dieses Krieg angesprochen. Es wurde nicht erwogen, was die Amerikaner besser hätten tun müssen, es wurde nicht erwogen, was hätte passieren können, wenn die Amerikaner es anders gemacht hätten. Schon gar nicht wurde in Deutschland die Parallele erwogen, was passiert wäre, wenn die Amerikaner gegen das Hitlerreich nicht massiv vorgegangen wären. Ich denke, wenn die die Welt sich gut entwickeln soll, kommt es nicht zu sehr darauf an, keine Fehler zu machen, sondern vielmehr kommt es darauf an, aus den Fehlern zu lernen. Es kann ja sein, und ich würde diesen Satz unterstützen, dass der Vietnamkrieg, so wie er durchgeführt wurde, nicht gut war. Vielleicht wäre es besser gewesen, von Anfang an die Vietnamesen in ihrem Bürgerkrieg allein zu lassen, auch wenn die UdSSR und China massiv ihre eigenen Interessen vertraten. Man sprach damals zwar von der Salamitaktik, also der Taktik des Ostblocks dem Westen immer wieder ein Stückchen mehr abzuschneiden, aber ich denke an der Theorie „lieber rot als tot“ ist genauso viel dran, wie an der umgekehrten Theorie.

Unheilvoll voll in diesem Zusammenhang fand ich insbesondere die Moralkeule und die Denkverbote. Hätten wir, und damit meine ich meine Generation, nicht versuchen können, über Vietnam nachzudenken und daraus zu lernen. Hätten wir es nicht schaffen können, die moralische Keule erstmal draußen zu lassen und ihr nicht die Macht zu geben, uns am Denken zu hindern? Hätten wir die Welt, inklusive den  Amerikanern, nicht mit freundlichen Augen als eine lernende Einheit verstehen können, darüber nachdenken können, wann es sinnvoll ist, dass eine starke Macht sich einmischt und wann nicht. Stattdessen wurde den Amerikanern immer Egoismus unterstellt, den sie natürlich wie jeder andere auch haben, der aber  meines Erachtens in der Rolle als Weltpolizist bei weitem nicht so wichtig war, wie ein durchaus positiver Wunsch die Welt ein bisschen besser und lebenswerter zu machen.

Bei meiner Recherche zum Thema Vietnamkrieg ist mir aufgefallen, wie schlecht in Wikipedia die Amerikaner und der Westen wegkommen und wie gut die kommunistische Welt. Was die Fakten anbetrifft, kann ich das nicht beurteilen, aber nach den Wertungen und der Ausdrucksweise ist das schon sehr deutlich.

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