Und Jonny ging zum Regenbogen. Der Roman von Johannes Mario Simmel.

Ich habe in den letzten Wochen(Dez.2018) ein Buch von Johann Mario Simmel gelesen: „Und Jonny ging zum Regenbogen“. In der Vergangenheit hatte ich Simmel immer vermieden, da ich davon ausging, dass dies “ keine gute Literatur ist“. Als ich das Buch las, stellte ich fest, dass es ein Versuch ist, die Nazizeit zu verstehen und zwar nicht als etwas unfassbar Schlechtes sondern als etwas, das man gerne verstehen will. Bei den anderen Nachkriegs Autoren, die ich viel gelesen hatte, Günter Grass, Heinrich Böll, Siegfried Lenz sind diejenigen, die mir zuerst eingefallen sind , habe ich den Eindruck, dass diese immer versuchten , es dem Leser ersparen, den Nazi in sich selbst entdecken zu müssen. Der erste Autor, den ich las, der das anders machte, war Jonathan Littell, der Französisch Amerikanisch jüdische Autor. Und selbst dieser ist für seinen Versuch die Nazis von innen zu verstehen, heftig kritisiert worden.

Johann Mario Simmel Buch ist natürlich etwas anderes, als das Buch von Littell. Es ist ein Psychothriller, ein Agententhriller. Die Haupthandlung findet in den frühen sechziger Jahren in Wien statt und es gibt zahlreiche Rückblenden auf die Nazizeit. Es kommen herzzerreißende Schicksale vor: die Mutter, die ihren 16-jährigen Sohn, der einen jüdischen Vater hat, zu retten versucht, das junge Pärchen, das daran scheitert, dass der junge Mann so sehr mit der Naziideologie verbunden ist, das Mädchen, das mitfühlend unterbindet, dass ein flüchtiger russischer Kriegsgefangener denunziert wird. Ein alter Arzt, der ein halbjüdisches Kind dadurch rettet, dass er dafür sorgt, dass es als ehelich in einer arischen Familie geboren wird. Ein Schuldirektor, der aus verschmähter Liebe einen halbjüdischen Jungen aufs Schlimmste verfolgt. Ein Nazifunktionär, der um für die Zeit nach dem Kriegsende Entlastungszeugen zu haben, diesen Jungen zu retten versucht.

Ich finde Johann Mario Simmel ist es gelungen diese Charaktere glaubwürdig und exemplarisch zu beschreiben und diese in einem spannenden, leicht zu lesenden Psychothriller unterzubringen. Gerade wenn man daran denkt, dass das Buch ca. 1970 erschienen ist, einer Zeit in der über die Nazizeit oft noch bagatellisierend und vernebelnd und gesprochen wurde, ist das ein beachtlicher Verdienst.

Das Buch hat deutlich autobiografische Anteile: der jüdische Vater, der gerade noch rechtzeitig Österreichs verlassen hat und kurz vor Kriegsende in London starb und vermutlich vieles andere, aber ich kenne die Biografie von Simmel leider noch nicht.

Bei der Verfilmung von 1971 mit Horst Tappert wurde übrigens diese Auseinandersetzung mit der Nazizeit weitgehend weggelassen.

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