Briefwechsel herausgenommen

Nun habe ich also seit einer Woche, genauer gesagt seit dem 26.8.2018 die Dokumente aus meinem Blog herausgenommen. Habe also den Briefwechsel, die nachdenklichen und die beschimpfenden Briefe, den Briefwechsel mit dem DPV Vorstand und mit der Ethikkommission der deutschen Psychoanalytischen Vereinigung nicht mehr zugänglich gemacht. Ich hatte dies getan, da auch die wohlmeinenden unter meinen Kollegen mir abgeraten hatten, da viele Kollegen auch die anonymisierte Dokumentation der offenen Briefe und ähnlichen Dinge als Provokation empfänden.

Ich fände es weiterhin sinnvoll, wenn ich oder noch besser das Institut diese Auseinandersetzung transparent und offen machen würde. Ich habe ein großes Vertrauen zu Gruppenprozessen und diese setzen voraus, dass die Informationen zugänglich sind.

Ich will den Anlass benutzen um über Offenheit und Diskussionsprozesse nachzudenken. Wie soll ein einzelnes Mitglied, das von vielen lautstarken anderen Mitgliedern in offenen Briefen aufgefordert wird, die Mitgliedschaft aufzugeben, das natürlich nicht auf alle solchen Aufforderungen einzeln reagieren kann,  damit umgehen? Die inhaltlichen Begründungen der Forderungen bestanden im großen Ganzen darin, dass eine Mitgliedschaft in der AfD mit einer Mitgliedschaft im Institut nicht vereinbar sei. Mir selbst als Person wurde kaum etwas vorgeworfen. Sicher sind viele nicht meiner Meinung, aber dass meine eigene Meinung von der Meinungsfreiheit gedeckt ist wurde im allgemeinen nicht in deutlicher Weise bezweifelt.

 

Die Frage, ob die anonyme Veröffentlichung offener Briefe, die 150 Personen zugeleitet wurden, eine Grenzverletzung ist, kann man meines Erachtens unterschiedlich sehen. Bereits vor meiner Veröffentlichung erfuhr ich von einigen meiner Patienten, und auch aus der Zeitung, dass dieser Briefwechsel bekannt ist. Diese Tatsache einer Halböffentlichkeit erschien mir deutlich ungünstiger als eine vollständige Öffentlichkeit, da die Halböffentlichkeit die Gefahr in sich birgt, dass Tatsachen selektiv und verzerrt in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Deswegen sah ich es im Sinne der offenen Diskussion als nützlich an, mehr Offenheit zu fordern. Auf dieser Forderung erhielt ich weder vom Institut für Psychoanalyse noch von der deutschen psychoanalytischen Vereinigung auch nur eine Antwort. Das war ja auch der Grund, warum ich mich zu diesem Blog entschlossen hatte.

(Ich möchte hinzufügen, dass es mir leid tut das ich anfangs unzureichend anonymisiert habe und auch ein Schreiben, das nicht öffentlich war, aus Versehen in die Öffentlichkeit geraten ist.)

 

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