Moral und Hypermoral Gastbeitrag von Dr. H-U Hauschild

Moral und Hypermoral

Wir stehen vor einer unauflösbaren intellektuellen und moralischen Situation. Im „Fall Schimpf“ fordern jene, die seinen Weg in die AfD mindestens nicht nachvollziehen können, meist jedoch reflexartig und ohne zu fragen ablehnen, eine Begründung. Dabei sind sie begründungspflichtig. Es handelt sich hier also um eine Beweislastumkehr, von der schon der verstorbene Gießener Philosoph Odo Marquard meinte, sie sei auch auf die penetrante eingebildete Überlegenheit jener anzuwenden, die das Neue schon deshalb für legitimiert halten, weil es das Neue ist.

Auf dieser Site wird sehr deutlich, wie zerstörerisch sich hypermoralische Einstellungen auswirken. Für die Nutzer einer solchen übermoralischen Grundhaltung bieter sich der Vorteil, nichts mehr begründen zu müssen. Empörung und der Hinweis auf Faschismus und Rassismus reichen.

Dabei ist die begründungslose Moral jedem rationalen und aufgeklärten Diskurs deutlich unterlegen.

Und auf einen solchen kommt es hier und überall in unserer aktuellen Gesellschaftspolitik an. Es ist sehr,sehr leicht, die Forderungen der linksliberalen sich selbst so empfindenden Elite aufzustellen, also im gegebenen Fall offene Grenzen zu fordern, eine Willkommenskultur einzufordern, zu behaupten, niemand sei illegal, einen Plan zur Bewältigung weltweiter Migrationsströme zu verweigern mit dem Hinweis, man könne ja so wie so niemanden wegen des geltenden Asylrechts. Oder man windet sich heraus mit dem Totschlagargumente, die anderen sind auch welche, es kämen ja nicht alle. Nein, erforderlich ist nicht Hypermoral, sondern Moral, also politisches und gesellschaftliches Handeln in Verantwortung für das Ganze. Denn: die uneingeschränkte Realisierung der Forderungen der Elite würden die Gesellschaft zerstören.

Es ist intellektuell unredlich oder doch wenigstens für die Elite der Deutschen Psychiater/innen /innen beschämend, die pure Mitgliedschaft und in der AfD als Grund der Hetze und sogar des drohenden Ausschlusses aus der Vereinigung ohne jede weitere Begründung und ohne diskursive Auseinandersetzung zu nehmen.

Aber hier trägt die Hypermoral sehr weit. Hypermoral ist jene Stufe ethischer Überzeugungen, hinter die man nicht gehen muss. Sie bedarf keiner Begründung, einen weiteren intellektuellen Regress muss es nicht geben. Es ist offenbar die ewig geltende Wahrheit,die hier in Anspruch genommen wird, fast so etwas wie politische Metaphysik. Dagegen kann der vernünftige Mensch nicht angehen, weil die Waffen dieser Moral scharf, verletzend und ultimativ sind. Die Waffen heißen: Faschist, Rassist, rechtsradikal, inhuman – das sind die hypermoralisch eingesetzten Vokabeln, gegen die es kein erlaubten Argumente, keine Rechtfertigung, keine Möglichkeit zu einem Diskurs und schließlich keine gesellschaftliche Existenz mehr gibt.

Dabei ist das alles nur dumm. Denn die Vernunft, das Hauptkriterium gesellschaftlich friedlichen Zusammenlebens seit John Locke und in Folge seit der europäischen Aufklärung fordert anderes. Die Argumente der linksliberalen „Elite“ sind allesamt oberflächlich und bedürften dringend der rationalen Vertiefung. Sie müssen nicht falsch sein, aber sie müssen untersucht und hinterfragt werden. John Locke und seine Nachfolger forderten von jeder Kritik, jeder Meinungsäußerung eine Begründung. Und eine Gegenbegründung. Erst dann, wirklich erst dann, wenn dieser Austausch zwischen vernünftigen Menschen stattgefunden hat, sind. Aufklärung, Demokratie, Meinungsfreiheit und Toleranz möglich und gegeben.

So kommen die Kritiker der Andersdenkenden und des Herrn Schimpf zwar im Gewandt der Aufklärung herbei, repräsentieren aber in Wirklichkeit eine Gegenaufklärung und den Beginn eines verheerenden Totalitarismus. Denn auch dieser verbietet es, etwas zu hinterfragen.

Die AfD kritik- und gedankenlos als faschistisch oder auch nur rechtsradikal zu bezeichnen, übersieht das Potential der in dieser Partei tätigen Menschen, in Deutschland die verletzte Demokratie wiederherzustellen. Denn diese ist seit drei Jahren vielfach verletzt. Freilich, wer, wie die Linksliberalen, einen so exklusiven Demokratiebegriff hat, wird diesen Satz gar nicht erst verstehen (wollen). Demokratie ist nicht das, was unsere Ideologen inhaltlich darunter verstehen und mit ihrer Deutungshoheit definieren, sondern das, was in der Verfassung steht. Da man Herrn Schimpf und den AfD – Mitglieder danach die Prädikation „demokratisch“ nicht absprechen kann, bleibt die pure Ideologie.

Hat nicht Horst Eberhard Richter sinngemäß darüber gesprochen, dass gesellschaftliche Veränderungen eine nachhaltige gesellschaftliche Debatte erfordern? Wann je wäre die Gesellschaft radikaler verändert worden als derzeit?

Dr. Hans-Ulrich Hauschild, Gießen

 

Über den Autor

Dr. Hans-Ulrich Hauschild promovierte im Jahre 1974 mit einer Arbeit über den Deutschen Idealismus zum Dr. phil. Bis zum Jahre 2003 war er in verschiedenen Institutionen der Bundesanstalt für Arbeit und des Hessischen Sozialministeriums tätig. Dabei war er in verschiedenen Positionen verantwortlich für Arbeitsmarkttheorie und Politik. Nebenamtliche Tätigkeit als Lehrkraft für Arbeitsmarktpolitik und umfangreiche Verantwortung in Prüfungsausschüssen ergänzten dieses berufliche Leben. 2003 ging er als Ministerialrat in den Ruhestand

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